Klimawirkungen und Nachhaltigkeit ökologischer Betriebssysteme - Untersuchungen in einem Netzwerk von Pilotbetrieben

Für die gesamte Bio-Branche, die Verbraucher und die Agrar-Umweltpolitik ist es wichtig zu wissen, wie klimafreundlich Betriebe des Ökologischen Landbaus wirtschaften, welche flächen- und produktbezogene Treibhausgasemissionen auftreten und wie noch bestehende Optimierungspotenziale genutzt werden können. Während für einzelne landwirtschaftliche Teilprozesse Modelle und Analysetools zur Verfügung stehen, fehlen bisher geeignete Methoden und praxisanwendbare Instrumente, um landwirtschaftliche Abläufe und Entwicklungsprozesse auf der Ebene des Gesamtbetriebes zu analysieren. Gerade im Ökologischen Landbau ist es bei den sich ändernden Rahmenbedingungen - insbesondere auch hinsichtlich des Klimawandels - wichtig, die Betriebssysteme weiterzuentwickeln und zu optimieren. Als direktes Ziel des Verbundprojekts (06OE160 und 06OE353) innerhalb der Projektlaufzeit steht die Analyse und Bewertung ökologischer Agrarsysteme auf Betriebsebene hinsichtlich ihrer Klimawirkungen. Dies beinhaltet auch die Ableitung von Minderungspotenzialen und gesamtbetrieblichen Optimierungsstrategien der Treibhausgasemissionen. Hierzu werden anhand des Pflanzenbaus und der Milchviehhaltung beispielhaft die Bereiche mit dem zunächst größten Umsatz an Klimagasen herausgegriffen und deren Treibhausgasemissionen bestimmt, wesentliche Einflussfaktoren auf die Emissionen aufgezeigt und Problembereiche identifiziert. Die Ergebnisse werden der Betriebsberatung zufließen und der Weiterentwicklung des Ökologischen Landbaus dienen. Als zweites Ziel wird die Analyse und Bewertung der ökologischen Nachhaltigkeit der Betriebssysteme verfolgt. Mit Hilfe von Indikatoren wird der Nachhaltigkeitsstatus aller am Projekt beteiligten Betriebe ermittelt. Dafür werden die zu untersuchenden Indikatoren (Nährstoff- und Humussalden, Energieeffizienz, Treibhausgase und Bodenschadverdichtungen, ...) anhand von Bewertungsfunktionen in eine einheitliche Skala überführt und vergleichend betrachtet. Darüber hinaus verfolgt das Vorhaben als übergeordnetes und langfristiger angelegtes Ziel, optimale Strukturen und Voraussetzungen für langfristige systemare Forschungsarbeiten in landwirtschaftlichen Betrieben zu schaffen. 

Das Projekt wird vom Lehrstuhl für Ökologischen Landbau und Pflanzenbausysteme der Technischen Universität München, vom Institut für Organischen Landbau der Rheinischen-Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und von der Bioland Beratung GmbH bearbeitet. Die Bearbeitung erfolgt auch in Verbindung mit dem Projekt 06OE353 durch das Institut für Ökologischen Landbau des Johann Heinrich von Thünen Instituts. In Anlehnung an die BÖL-Projekte werden aus Sondermitteln zur Klimaberichterstattung des BMELV für das Johann Heinrich von Thünen Institut auch konventionelle Betriebssysteme nach vergleichbaren Methoden untersucht.